Abschlussbericht des Landesjugendobmanns Frank Lüneberg

2017-02-23 16:50

Wenn diese Zeilen auf unserer Homepage zu lesen sind, ist meine  Dienstzeit als Landesjugendobmann schon Geschichte. Vier Wahlperioden nacheinander, also 8 Jahre, konnte ich die Geschicke der Seglerjugend in Berlin lenken und zum Teil auch mit neuen Impulsen beeinflussen. Eine hohe Verantwortlichkeit wurde dabei von mir abverlangt, die ich aber auch gern übernommen habe.

Als Nachfolger des jetzigen Obmanns für Öffentlichkeit, Reiner Quandt, musste ich nicht ein  „unbearbeitetes Feld“ übernehmen. Auch Reiner Quandt war an einer guten Jugendarbeit in unserer Stadt interessiert. Als Pädagoge konnte ich in der Folge neue Impulse setzen und mit anderen, neuen Ideen das Amt weiter inhaltlich bestücken. Ich denke dabei zB an die Pippilottatörns. Über mehrere Jahre hinweg fuhren wir über 4 Tage im Oktober des jeweiligen Jahres auf einem Dreimaster in die dänische Südsee und arbeiteten an neuen Jugendkonzepten für die Jugendarbeit in Vereinen, formulierten neue Ziele und schlugen Brücken, auch über Vereinsgrenzen hinweg. Bei den jeweils bis zu 40 Teilnehmern an Bord fielen Schranken untereinander und es entstanden Kooperationen. Vorbehalte konnten ausgeräumt werden, Trainingsgruppen entstanden, auch neue Partnerschaften bildeten sich heraus. Man konnte von einer Aufbruchsstimmung sprechen. Ein Törn wurde gar als Trainerfortbildung vom BSV anerkannt. Intensiv wurde da gearbeitet. Die vorgeschriebenen Stunden wurden in den vier Tagen locker abgearbeitet. Auf See wurden die Ergebnisse erarbeitet, die noch immer auf der Homepage der Jugendseite des BSV nachlesbar sind. Auch die Vorbereitungen für die zweijährig stattfindenden Jugendseglertreffen wurden dort im Wesentlichen erarbeitet.

Gemeinsam mit dem Vorstand des BSV wurde über 2 Jahre versucht „Gemeinsame Berliner Jugend- und Jüngstenmeisterschaften“ durchzuführen. In beiden Jahren machte uns das Wetter bei der  Durchführung der Veranstaltung das Leben schwer. Sollte es wieder einmal eine Initiative dazu geben, bedarf es einer äußerst intensiven Vorbereitung unter der Berücksichtigung von Wettereinflüssen(Zeitpunkt), sowie guten Teams die als Schiedsrichter und Wettfahrtleiter fungieren könnten. Hier sind in Zukunft auch die Vereine mehr als bisher gefordert, entsprechend ihre Mitglieder zu Schulungen zu motivieren. Ohne diese benannten Fachleute kann man keine Regatten durchführen.

Kurze Zeit nach der Jahrtausendwende verbreitete sich der 29er. Auch in Berlin trauten sich zuerst die größeren Vereine an das Thema 29er und 420er gemeinsam im Verein zu trainieren. Das Problem waren natürlich die Trainer. Eine Spezie, die immer für (gute) Jugendarbeit notwendig ist. Überlegungen, die Bootsklasse an das Landesleistungszentrum zu binden, schlugen fehl. In Tegel und Wannsee waren schon größere Trainingsgruppen vorhanden. Letztendlich wird die kontinuierliche Trainingsarbeit bei den 29ern immer noch aus dem Jugendetat finanziert. Mit dem Bronzegewinn bei den olympischen Spielen in Rio auf dem 49er könnte sich möglicherweise zukünftig etwas ändern. Aber das sind nun Spekulationen. Erik Heil und Thomas Plössel sind nicht auf dem Opti großgeworden, sondern auf dem Teeny. Und die bisherige Arbeit des LLZ in Frage zu stellen, käme für mich auch in keiner Weise in Frage. Die Anforderungen für den Leistungssport, insbesondere für den Hochleistungssport sind hoch. Deshalb kann die Trainingsarbeit vom Jüngsten - und Jugendsport hin zum Hochleistungssport nur systemisch betrachtet werden. Und so etwas macht man nicht so nebenbei. Eine Überprüfung der geleisteten Arbeit, unter Einbeziehung von neuen Ideen muss regelmäßig durchgeführt werden, damit uns nicht andere Nationen wegsegeln. Der BSV und die jeweiligen Verantwortlichen stehen dafür ein.

 

Als schwierig würde ich die Arbeit im Jugendbereich bei vielen kleineren Vereinen bezeichnen. Häufig wird dort die Jugendarbeit nicht vermisst. Jugendliche kosten Geld, sind oft nicht so am Vereinsleben interessiert, sind nicht so verfügbar und haben immer wieder andere Ideen. Das macht sie aus Vereinssicht nicht planbar. Die „Traute“, sie mit einem Etat auszustatten und sie kreativ ihre Ideen ausleben zu lassen, ist nicht gegeben. Fühlen sich die Kinder und Jugendlichen aber überflüssig, bleiben sie weg. Wenn dieser Zustand sich in einem Verein über Jahre hinzieht, wird das nicht ohne Folgen bleiben. In den letzten 8 Jahren ist das mehreren Vereinen so ergangen. Jugendliche wollen mitbestimmen. Einige Vereine unterliegen noch der Auffassung, die jüngeren Mitglieder nicht nach ihrer Meinung zu fragen. Doch es gibt auch Hoffnung. Bei der Ausschreibung zur coolsten Jugendarbeit sind immer wieder Überraschungen auszumachen. Vereine, die bisher nur in der 2. oder 3. Reihe zu bemerken waren, geben sich Mühe und wollen etwas Neues entwickeln. Wenn dann auch die älteren Mitglieder mitziehen, Alt und Jung an einem Strang ziehen, kann sich schon etwas zum Positiven bewegen.

Die Veränderungen im Schulbereich mit längeren Schulzeiten machten das Training schwieriger. Die Anforderungen stiegen und stellten die Vereine damit auf eine harte Probe. Trainingszeiten verschoben sich und ein Training war nur noch am Wochenende möglich. Zurzeit ruckelt es sich wieder halbwegs rückwärts. Dennoch, Kontinuität ist etwas anderes.

Das Thema Mitgliedergewinnung, insbesondere im Jüngsten- und Jugendbereich nahm und nimmt ebenfalls viel Raum ein. So liegen teilweise entsprechende Boote in den Vereinen rum und werden älter, ohne dass sie genutzt werden. Bei den Bootspreisen eine sehr missliche Sache. Wenn dann ein Kind im Verein landet, dass möglicherweise ausgeprägte Regattaaktivitäten zeigt, ist die alte Kiste nutzlos, weil man damit keinen Blumentopf mehr gewinnen kann. Die einzige Lösung aus meiner Sicht ist die totale Besetzung aller Boote, die im Verein zur Verfügung stehen. Die dazugehörige aktive Suche nach Kindern ist dabei unerlässlich. So wie Ausschreibungen für Baumaßnahmen im Verein notwendig sind, müssen ebenso Anstrengungen unternommen werden, junge Mitglieder zu gewinnen. Flyer erstellen, wenn nicht schon vorhanden. Infos offensiv in Schulen, Horten, Jugendfreizeitheimen, Kirchen beider Konfessionen verteilen. Möglicherweise kann man auch Kooperationen mit anderen Glaubensrichtungen eingehen. Seit diesem Jahr haben wir bspw. einen türkischen Segelverein im BSV aufgenommen. Überhaupt gibt es seit rund drei Jahren mehrere Hundert Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen in Berlin. Die Fußballer können uns hier ein Beispiel sein. Ein größeres Engagement auf der Berliner Bootsmesse wäre auch eine Hilfestellung.

Eine besondere Herausforderung in den vergangenen Jahren war es, die älteren Segler, die aus den Jugendklassen herausgewachsen sind, zu halten. Seit Jahren beobachte ich, dass ehemalige Jugendsegler nach ihrer Seglerkarriere in den Jollen häufig ihren Vereinen den Rücken kehren. Sei es studienbedingt, oder aus Gründen des Berufseinstiegs. Dazu kommt fehlendes Bootsmaterial für diejenigen, die aus Altersgründen nicht mehr in den Jugendmeisterschaftsklassen mitsegeln können. Für Kinder und Jugendliche standen immer finanzielle Mittel zum Kauf von Booten, wie Opti, Teeny, 420er, Pirat oder 29er zur Verfügung. Für die Junioren allerdings wurde in den seltensten Fällen an eine Lösung gedacht.  Diese jungen Erwachsenen besitzen noch keine ausreichenden Finanzmittel, um sich ein entsprechendes Boot anzuschaffen. Eine Zeitlang sind sie dann noch als Trainer aktiv, oder halten sich noch aus Tradition eine Zeitlang im Verein auf. Dann sind sie weg. Besonders in die Regattasegler hat manch ein Club aber viel investiert und sie als Aushängeschild für den Verein genutzt. Und genau diese Zielgruppe, mit Segel-, bzw Regattaerfahrung wird nun in den Vereinen gebraucht.  Gerade im Zuge des demographischen Wandels gilt es die Junioren weiter an die Clubs zu binden.

Letztendlich blieb nur die J24 als wirklich preiswerteste Variante übrig. Sie war sicherlich nicht der modernste Riss, doch es ist die am meisten verbreitete Sportbootklasse in der Welt.  Der Gebrauchtbootsmarkt ist groß und die Einstiegs- als auch die Folgekosten sind finanzierbar. Gebrauchte Boote sind ab 6.000€ zu bekommen. Die Boote sind lange konkurrenzfähig, der Weltmeister 2012 siegte mit einem Boot aus dem Baujahr 1994.  Seit Jahren stellen die J24 das größte Startfeld bei der Kieler Woche und mit über 15 Juniorenprojekten in Deutschland hat die Klasse eine starke junge Basis. Die J24  wird von fünf bis sechs Crewmitgliedern gesegelt, zudem gibt es auch reine Damenmannschaften, was sicherlich auch eine gewisse Attraktivität ausmacht.

Doch nach anfänglich sehr guten Einstiegszahlen der J24 in Berlin wurde die Segel-Bundesliga gegründet. In Berlin lief die Bundesliga mit der J70 der J24 den Rang ab. Das erfolgreiche Abschneiden der Berliner  Segelvereine in der Segel- Bundesliga schwächt leider die Bemühungen der J24 Teams eine Alternative zum harten Regattastress, eben auch mit wenig Training Regatten zu segeln. Auch an dieser Stelle würde ich mir mehr Engagement der Vereine wünschen, dies Juniorenprojekt mehr zu unterstützen, bzw. durch vereinsübergreifende Kooperationen.

Viele Themen sind weiterhin präsent und unterliegen auch den allgemeinen Veränderungen, die bedacht werden müssen. Diese bleiben dann meinen Nachfolgern überlassen. Zum Abschluss meines sehr gekürzten Berichtes möchte ich noch meinem Jugendsegelausschuss danken, dieser hat sich im Verlauf der letzten Jahre aktiver in die Jugendangelegenheiten Berlins eingemischt. Das war gut so und hat mich auch entlastet. Ein großer Dank geht an meinen Vertreter Oliver Kant und auch Frau Staffelt, die die Geschäftsstelle leitet. Hunderte Gespräche und auch Telefonate zu nachtschlafender Zeit, immer für die Weiterentwicklung des Jugendsegelsports in Berlin.

Mahnen und Warnen ist immer leicht. Doch einen letzter Appell an alle, die sich für den Segelsport engagieren, lautet: Gebt nicht auf und setzt euch weiter für unseren schönen Sport ein. DANKE!

Frank Lüneberg

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